Homosexualität und Glaube

Gefangen zwischen Verdammung und bedingungsloser Annahme

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Ist Homosexualität mit dem Glauben vereinbar?

Wohl kaum ein anderes Thema ist so kontrovers und erhitzt die Gemüter der Christen mehr als das Thema Homosexualität. Die Argumente gegen Homosexualität sind schnell zur Hand.

Es ist eine Wahl.

Es ist eine Sünde.

Die Bibel ist klar gegen Homosexualität.

Durch Therapie können Homosexuelle geheilt werden.

Doch ganz so einfach ist es nicht…

Was sagt die Bibel dazu?

Als Christ ist es mir natürlich wichtig, was die Bibel zu diesem Thema sagt. Die biblische Grundlage, um Millionen von Homosexuellen in die Hölle zu verdammen, ist allerdings recht mager. Es sind gerade mal 6 Bibelstellen: 1.Mose 19, 3. Mose 18,22 und 3. Mose 20,13 im Alten Testament und Römer 1,26-28, 1. Korinther 6,9+10 und 1. Timotheus 1,9+10 im Neuen Testament. Ihre Aussagen sind nicht so klar, wie wir vielleicht denken. Wichtig ist dabei immer der geschichtliche und kulturelle Kontext und ob die Stellen 1:1 in die heutige Zeit übertragen werden können oder eben nicht. Carsten Schmelzer bringt es in seinem Buch über Homosexualität auf den Punkt, wenn er in sagt: „Es geht um die Spannung zwischen einem alten Buch und einer modernen Zeit.“ (Schmelzer 2015, S. 26)

Gehen wir die Bibelstellen kurz durch. In 1.Mose 19 geht es um die berühmte Geschichte von Sodom und Gomorra. Allerdings geht es hier um eine geplante Massenvergewaltigung und nicht um Homosexualität im heutigen Sinne. Die beiden anderen Bibelstellen im AT sind Teil der Heiligkeitsgesetze, ein Gesetz, nach dem seit 2000 Jahren keiner mehr lebt. Schmelzer sagt dazu: „Es hat schon etwas Willkürliches, wenn man sagt, dass nur bestimmte Gesetze, wie das Verbot der Homosexualität, noch gültig sind, während andere, wie Speise- und Kleidungsverordnungen, nicht mehr gelten. […] [W]er einen Teil für gültig hält und andere nicht, macht sich am ganzen Gesetz schuldig (Jakobus 2,10). Nach welchen Kriterien sollte man auswählen, um zu bestimmen, welche Gesetze uns noch heute inspirieren und welche nicht?“ (Schmelzer 2015, S. 59)

Kommen wir noch kurz zu den drei Bibelstellen im Neuen Testament. Bei den Lasterkatalogen im Korintherbrief und bei Timotheus wird Päderastie verurteilt, also Sexualkontakte mit minderjährigen Knaben. Die Wuppertaler Studienbibel ordnet die griechischen Ausdrücke „malakoi“ und „arsenokoitai“ „der ‚griechischen Knabenliebe‘ zu und grenzt das ausdrücklich von heutiger Homosexualität ab“. (Grabe 2020, S. 41–43) Im Römerbrief zieht Paulus das Beispiel des gleichgeschlechtlichen Aktes als Beispiel für die Verdorbenheit der damaligen Gesellschaft heran, um die Erlösungsbedürftigkeit aller Menschen aufzuzeigen und damit die Wichtigkeit, Christus anzunehmen. „Es geht nicht darum, dass Schwule und Lesben Sünder sind – es geht darum, dass in Gottes Augen jeder Mensch ein Sünder ist.“ (Schmelzer 2015, S. 265–266)

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es bei allen Stellen um promiskuitive homosexuelle Praktiken geht, „wie sie in den heidnischen Kulturen der kanaanitischen Völker, oder zur Zeit des Neuen Testamentes in der griechisch-römischen Kultur weitverbreitet waren. In aller Regel wurden diese von ansonsten heterosexuell veranlagten Menschen ausgeübt“ (Eric 2014). Diese Praktiken werden durchwegs negativ bewertet, weswegen zum Beispiel Sam Allberry in seinem Buch „Ist Gott homophob?“ den radikalen Schluss zieht: „Die durchgehende Lehre ist offensichtlich: Gott verbietet homosexuelle Handlungen.“ (Allberry 2021, S. 52) Und sein Fazit aus dieser Erkenntnis lautet pauschal für alle Homosexuellen: „Wie alle Ungerechten sind sie auf dem Weg ins Verderben.“ (Allberry 2021, S. 103–105) Damit könnten wir das Thema eigentlich abhaken. Ist ja alles klar, oder?

Die Kluft zwischen der Lehre und dem Leben

Und was ist mit den Menschen, die es betrifft? Und was ist vor allem mit gläubigen Christen, die homosexuell sind? Denn es gibt sie, oft versteckt in unseren Gemeinden, ungeoutet aus Angst vor Ablehnung und Ausgrenzung. Es sind Menschen, die nicht halbnackt am Christopher-Street Day herumlaufen oder mit jedem ins Bett hüpfen, wie man klischeehaft vermutet. Es sind Menschen, die die Bibel und ihren Glauben an Jesus sehr ernst nehmen, während diese sechs Bibelstellen wie ein Damoklesschwert über ihrem Leben hängen. Valeria Hinck beschreibt diesen inneren Kampf wie folgt: „Allen christlichen ‚Umpolungsentwürfen‘ konnte ich inzwischen nichts mehr abgewinnen. Weder Busse noch Gebet noch Kampf noch psychologische Analyse meiner Kindheit hatten mich geändert. Aber in dieser Zerrissenheit weiterzuleben, hiess für mich zugrunde zu gehen.“ (Hinck 2012, S. 12) Hinck ist bei weitem nicht die einzige, die so empfindet. Im Buch „Nicht mehr schweigen“ von Timo Platte (Platte 2019) erzählen 25 queere Menschen von ihrer Zerrissenheit zwischen Glauben und Identität. Allberrys Antwort für diese Menschen – und für sich selbst, da er selbst schwul ist – lautet ganz radikal: Enthaltsamkeit und Zölibat. Allerdings spürt man ausgerechnet bei Allberry eine tiefe Not zwischen den Zeilen, wenn er im Gespräch mit einem Pastor über sein Single-Leben in Tränen ausbricht. (Allberry 2021, S. 99) Doch gleich werden diese Gefühle wieder mit Bibelversen und Argumenten zubetoniert, denn sie dürfen auf keinen Fall sein. Für Allberry steht fest: „Sie [Christen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen, vl] können davon erzählen, wie diese Kämpfe – mit all dem damit einhergehendem Durcheinander und der Unsicherheit – ihnen tiefer bewusst gemacht haben, wie unfassbar gut Gott ist.“ (Allberry 2021, S. 75–81)  Leider treiben diese Kämpfe die meisten homosexuellen Christen eher in die Verzweiflung, weg vom Glauben, manchmal sogar in den Selbstmord. Für sie ist dies keine dogmatisch-theologische Frage, sondern eine tief existenzielle. Es geht um die Berechtigung, sein zu dürfen und nicht ständig diesen Grundgedanken zu spüren „wie ein schleichendes Gift […] dem man sich nicht entziehen kann. Er heisst: Du bist nicht richtig, wie du bist.“ (Grabe 2020, S. 64)

Und was machen wir damit?

Schmelzer sagt: „Statt uns auf Dogmatik zu verlassen und die Tatsache zu verleugnen, dass es auch in unseren eigenen Reihen viele Homosexuelle gibt, sollten wir einen ehrlichen und fairen Dialog mit ihnen eingehen.“ (Schmelzer 2015, S. 199) Fakt ist: Wir müssen als Christen und als Kirche bessere Lösungsansätze finden für diese Menschen anstatt sie mit sechs Bibelversen in die Hölle zu verdammen. Ob es uns gelingen wird? Ich wünsche es mir von Herzen.

Ich schließe mit einem Zitat von Melanie nach ihrem Outing: „Mein Körper hat sich beruhigt. Keine Panikattacken mehr. Ich geniesse die Ruhe in mir. Der Kampf ist vorbei.“ (Platte 2019, S. 144)

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Literaturverzeichnis

Allberry, Sam (2021): Ist Gott homophob? Unter Mitarbeit von Johannes Osenberg. ungekürzte Ausgabe. Berlin: GD Publishing.

Eric (2014): Homosexualität in der Bibel. Hg. v. zwischenraum-schweiz. Online verfügbar unter https://www.zwischenraum-schweiz.ch/zum-thema/was-sagt-die-bibel-zur-homosexualitaet/, zuletzt geprüft am 24.11.2021.

Grabe, Martin (2020): Homosexualität und christlicher Glaube. Ein Beziehungsdrama. Marburg an der Lahn: Francke.

Hinck, Valeria (2012): Streitfall Liebe. Biblische Plädoyers wider die Ausgrenzung homosexueller Menschen. Neuaufl., überarb. und erg. Fassung der Erstausg. Dortmund: Dortmund-Verl. Krämer.

Platte, Timo (Hg.) (2019): Nicht mehr schweigen. Der lange Weg queerer Christinnen und Christen zu einem authentischen Leben. Pro Business Digital Printing & Copyservice GmbH. 1. Auflage. Berlin: Pro Business.

Schmelzer, Carsten (2015): Homosexualität. Auf dem Weg in eine neue christliche Ethik? 2. Aufl. Moers: Brendow.

Join the Party

Ein Mann hatte hundert Schafe. Eines Tages vermisste er ein Schaf und er liess die neunundneunzig in der Wüste zurück und suchte das eine Schaf, bis er es fand. Als er es fand warf er es sich über die Schulter und brachte es freudig nach Hause. Im Dorf richtete er ein Fest aus.

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Als Kind durfte ich diese Geschichte öfters hören und ich konnte mich schon damals nicht mit diesem verlorenen Schaf identifizieren. Ich hatte in meinem Glaubensleben zwar Zweifel, jedoch fühlte ich mich nie «verloren». Demnach zählte ich mich immer zur Schafsherde. Wenn ich aber zur Herde gehöre und nicht verloren war, dann muss ich mich wohl zu den neunundneunzig Schafen stellen.

Als Cory Asbury das Lied «Reckless Love» schrieb, löste dies in mir einen Widerstand aus. In der deutschen Interpretation wird im Refrain gesungen: «Oh du kämpfst für mich und spürst mich auf, lässt 99 stehn»(Rob 2019). Hierbei wird wohl auf das Gleichnis des «verlorenen Schafs» hingewiesen. Wenn ich mich zu den neunundneunzig zähle, weil ich nicht verloren bin, dann werde ich laut diesem Lied von Jesus stehen gelassen. Und dies führt mich zur Frage: Werde ich von Gott stehen gelassen, wenn er die Verlorenen rettet? Was wollte Jesus in diesem Gleichnis sagen?

Um dies zu beantworten, befassen wir uns zunächst mit den diversen Rollen des Gleichnisses.

Der Hirte

Der Hirte ist ein vertrautes Bild im Alten Testament und kann für Heerführer, König und Messias gelten (Maier 1992:271). Dieses Gleichnis kann auf die Stelle bei Hesekiel 34,2ff hinweisen, indem Gott sich selbst als «der gute Hirte» bezeichnet. Dies würde beinhalten, dass der Hirte Gott selbst ist (:272). Es gibt auch die Auslegung, dass Jesus sich selbst in die Position des Hirten stellt (Hole 1989:305). Der Kirchenvater Origenes interpretierte der Hirte als Erlöser oder als Gemeindeleiter. Der Hirte war beauftragt die verlorenen Schafe zu retten und diese Funktion konnte in seinen Augen auch ein Leiter einnehmen (Luz 2016:34). Hierbei würde ihm vermutlich Luther widersprechen. Er benannte Jesus als den Hirten, der sich auf die Suche macht nach dem verlorenen Schaf und es nach Hause trägt. Das verlorene Schaf sind wir Menschen, welche unfähig sind sich selbst zu suchen und nach Hause zu bringen. Wir benötigen die Gnade des Herrn, der uns sucht, findet und nach Hause trägt (:35). Mit dieser Interpretation kann aus meiner Sicht der Hirte kein Gemeindeleiter sein. Wie kann ein Leiter jemanden Retten, wenn dieser selbst Rettung benötigt.

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Das Schaf

Aus der Sicht Luthers, sind wir alle das verlorene Schaf (Luz 2016:35). Dies kann erweitert werden. Jeder ist ein Schaf, entweder das Verlorene oder das im Stall (Maier 1992:275). Als Schaf kann auch Israel betrachtet werden (:271) oder als Geschöpf des Hirten (Luz 2016:34). Die schlichtere Antwort ist, dass die Zöllner und Sünder «das verlorene Schaf» sind. Ein verlorenes Schaf weiss, wenn es verloren ist und genau diese Gewissheit hatten die Zöllner und Sünder (Hole 1989:305). Es wurde auch streng diskutiert, ob «das verlorene Schaf» ein abgefallener Christ sein kann, der sich erneut Jesus zuwendet. Gewisse fanden dies als unmöglich, da Jesus damals klar zu Heiden geredet hat und nicht zu Christen (Luz 2016:35). Wobei ich diese Art von Argumentation etwas einfältig empfinde, da Jesus selbst kein Christ war, sondern Jude.

Die neunundneunzig

Als die neunundneunzig Schafe können die Sadduzäer und Pharisäer gelten (Hole 1989:305). Sie würden sich selbst nicht als «gerecht» betrachten, jedoch sehen sie keine Notwendigkeit für eine Umkehr zu Gott (:306). Jesus sagt nicht, dass diese Schafe unwichtig sind oder der Hirt das verlorene Schaf lieber hatte (Walvoord & Zuck 2004:309). Doch er lässt die Schafe in der Wüste, wo dürre und Tod herrscht (Hole 1989:305). Oder er belässt es in der Obhut eines anderen (Maier 1992:271). Jedoch wird dies im Gleichnis nicht erwähnt. Und zur Frage, ob ich von Jesus verlassen werde, gesellt sich die Frage: Bin ich ein Pharisäer oder Sadduzäer?

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Ich glaube dieses Gleichnis hat zwei Aussagen. Zunächst enthält sie einen Zuspruch an die Sünder und Zöllner. Hierbei stimme ich mit Luther überein. Das verlorene Schaf wird vom Hirt gesucht, gefunden und nach Hause getragen. Gott bringt den Anstoss uns zur retten und wir lassen uns retten. Auch wenn ich christlich aufgewachsen bin, hat mich Jesus «nach Hause» getragen, auch wenn meine Geschichte nicht so spektakulär ist. Die zweite Aussage ist ein Anspruch. Wright (2016:225) unterstreicht dies als Kernaussage. Der ganze Himmel freut sich und deshalb soll sich auch die Erde freuen, wenn ein Sünder umkehrt. Freude soll herrschen. In meinen Augen stellt Jesus dieser Anspruch seinen zweiten Zuhörern, den Sadduzäer und Pharisäer. Denn diese Zuhörer hatten die Lehre, dass Freude herrscht, wenn ein Sünder vor Gottes Augen ausgelöscht wird (Barclay 2000:219).  

Fazit

Gott möchte, dass wir uns freuen, wenn jemand gerettet wird. Ich glaube, dass man sich selbst in der Wüste zurücklässt, wenn man sich nicht mitfreuen kann und genau dies wollte Jesus den Pharisäern beibringen. Sie setzten sich selbst in diese Position der Verlassenheit, indem sie glauben keine Umkehr zu benötigen. Dies lässt mich eine gewisse Tragik erkennen, weil sie sich ihrer Position nicht bewusst sind. Ich glaube uns kann dies auch zustossen. Wenn ich einer Predigt zuhöre und der Prediger meines Erachtens eine ungesunde Theologie vermittelt oder seine Botschaft rhetorisch schlecht darbringt. Löst es in mir Freude oder Widerwillen aus, wenn er mit seinen Worten trotzdem Menschen erreicht? Die schockierende Antwort ist, dass es mich wütend macht und Unverständnis auslöst. Weshalb wirkt Gott hier? Doch «Gottes Wirken» ist kein Eigentum und kann nicht erzeugt werden, auch nicht mit meiner Theologie. Es zeugt von Gottes Gnade, dass er wirkt, nicht von unserer theologischen Korrektheit. Und wie kann ich mich nicht erfreuen, wenn Gott gnädig ist? Mir bleibt nichts anderes übrig, als am Fest teilzunehmen oder in der Wüste verlassen zu sein.

Literaturverzeichnis

Barclay, William 2000. Lukasevangelium. 7. Aufl. Neukirchen-Vluyn: Aussaat Verlag. (Auslegung des Neuen Testaments / William Barclay).

Hole, Frank B. 1989. Grundzüge des Neuen Testaments. Hückeswagen: Christliche Schriftenverbreitung. (1).

Luz, Ulrich 2016. Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament: EKK. 3. Auflage. Neukirchen-Vluyn, Ostfildern: Neukirchener Theologie; Patmos Verlag.

Maier, Gerhard 1992. Lukas-Evangelium. Neuhausen-Stuttgart: Hänssler. (@Edition C, 5).

Rob 2019. Reckless Love deutsche Übersetzung. Songtexte.com. Online im Internet: https://www.songtexte.com/uebersetzung/cory-asbury/reckless-love-deutsch-73d676d9.html [Stand:06.08.21].

Wright, Nicholas T. 2016. Lukas für heute. Gießen: Brunnen.

Bilderverzeichnis

Burns, Christopher 2017. Who’s following who?. Online im Internet: https://unsplash.com/photos/215Fiqh6hRc [Stand: 06.08.21].

Gazzin, Riccardo 2019. Wanderer sheep. Online im Internet: https://unsplash.com/photos/f4Y6juzOha4 [Stand: 06.08.21].

Kirchenfenster. Pixabay.com. Online im Internet:  https://pixabay.com/de/photos/fenster-kirche-kirchenfenster-1737241/ [Stand: 06.08.21].

The Heart of Worship – das tiefe Geheimnis christlicher Anbetung

Flash. Ekstase. Tränen. Überschwängliche Freude. Ungefähr so stellen wir uns eine gute Worshipzeit vor. Okay, Ekstase und Tränen müssen nicht immer sein. Aber dass sich Worship gut anfühlt, ist schon wichtig. Das heisst, dass es von Herzen kommt … und wenn’s mal nicht so ist? Wenn es sich nicht gut anfühlt und ich diese Gefühle nicht kontrollieren kann? Ist es dann keine echte Anbetung? Ist es dann nicht authentisch?

Das wäre echt ein Problem. Aber: sind Gefühle beim Worship wirklich so wichtig? Was passiert beim Worship eigentlich?

person performing heart hand gesture
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Der passive Empfänger oder die treibende Kraft?

Worship richtet sich an Gott. So viel ist mal klar. Er ist erhaben, der Schöpfer, der herrliche, ewige Gott. Das allein ist Grund genug ihn anzubeten. Wir haben aber sogar noch einen Grund mehr: sein Erlösungswerk. Dieser
erhabene, herrliche und ewige Gott wurde Mensch – ein armer, machtloser Mensch noch dazu – und eröffnete uns durch seinen Tod und seine Auferstehung den Weg zum Vater, damit auch wir ewig leben können. Dieser Gott verdient es, angebetet zu werden.

Aber seine Rolle beschränkt sich nicht auf die des Angebeteten. Er ist nicht nur Der-da-oben, den wir anbeten, sondern er ist auch neben uns, wenn wir Worship machen (Witvliet 2005:3). Jesus, der am Kreuz all das was krumm läuft in unseren Leben für uns geradebog, biegt auch unsern krummen, menschlichen Worship gerade. Nichts, was wir Menschen machen, ist vollkommen, auch unsere Anbetung nicht. Aber auch die wird von Jesus vollkommen gemacht. Im alten Israel vermittelten die Hohepriester zwischen Gott und den Menschen. Sie brachten die Opfer für die Menschen dar, die sie mit Gott versöhnten. Jesus nimmt für uns heute dieselbe Funktion ein (:3 f).

Vater, Sohn, … da fehlt doch einer?! Keine Angst, den heiligen Geist lassen wir nicht aussen vor. Ganz im Gegenteil. Er ist es, der uns zur Anbetung anspornt. Der heilige Geist betet in uns. Das verheisst Paulus in Röm. 8,26: «Und auch
der Geist ´Gottes` tritt mit Flehen und Seufzen für uns ein; er bringt das zum Ausdruck, was wir mit unseren Worten nicht sagen können». Wenn der Heilige Geist betet, wenn wir schweigen, warum sollte er dann schweigen, wenn wir
beten? Genau. Das macht er eben nicht. Er betet mit. Er leitet uns im Gebet an.

Zusammengefasst: Gott ist nicht der passive Empfänger unserer Anbetung. Diese Beschreibung passt zu vielen Göttern, aber nicht zum Gott aus der Bibel. Gott ist Leiter UND Vervollkommner UND Empfänger unserer Anbetung. Und wir? Wir sind in der Mitte. Also – nicht das Zentrum. Wir sind in der Mitte, weil wir im Worship umgeben sind von Gott. Er ist über uns, neben uns und in uns.

Um auf die Gefühle vom Anfang zurück zu kommen: Gott nimmt uns in die Anbetung mit hinein. Er umgibt uns. Warum sollte sich das nicht gut anfühlen? Warum sollten wir nicht darin versinken? Warum nicht dabei Auftanken? Das ist alles ein geniales Geschenk von Gott. Wir dürfen in seiner Anbetung auftanken. Aber das ist nicht der Grund, warum wir  anbeten. ER ist der Grund.

Der Befreiungsschlag

Was heisst das jetzt für unseren Worship? Es heisst, dass die Qualität unserer Anbetung nicht davon abhängig ist, wie wir uns fühlen. Wir müssen uns nicht krampfhaft darum bemühen, jede Textzeile richtig zu fühlen. Sondern wir dürfen uns darauf verlassen, dass Gott in unserer Anbetung das tut, was ihn ehrt!

Das heisst auch, dass der Stil des Liedes nicht unbedingt der eigene Lieblingsstil sein kann. Das Prinzip Anbetung  funktioniert mit Kirchengesangsbücher-Liedern genau so gut wie mit Bethel-Hits. Und somit öffnet uns diese Erkenntnis eine weitere Tür. Die Tür zur Gemeinschaft.

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Ohne «Wir» kein Worship

Wenn die Grundlage für Worship die Dreieinigkeit – Gottes Gemeinschaft in seinen drei Personen – dann hat Worship auch für uns mit Gemeinschaft zu tun. Worship beginnt nicht erst, wenn wir es so richtig fühlen und auch nicht mit dem ersten Ton eines Liedes. Worship beginnt, wenn wir uns am Sonntagmorgen (oder wann auch immer) auf den Weg in die Kirche machen, weil das der Moment ist, in dem wir uns in die Gemeinschaft begeben (:10). Im Worship geht’s nicht um dich – klar. Es geht aber auch nicht nur um dich und Gott. Es geht um die Gemeinschaft. Du und Gott und ich und du und wir und Gott. Gemeinschaft gehört zum Worship einfach dazu. Das heisst nicht, dass es «nicht zählt», wenn wir alleine zu Hause ein Loblied singen oder beten. Schliesslich gehören wir auch zur weltweiten Gemeinde dazu, wenn wir nicht in der Kirche sitzen. Irgendwo auf der Welt beten garantiert gerade Christen. In Christus haben wir Gemeinschaft mit ihnen, auch wenn wir uns nicht kennen, geschweige denn sehen. Die Gottesdienste in unserer Lokalkirche zeigen etwas, das die ganze Zeit wahr ist: Wir sind eine weltweite Gemeinschaft, die ständig dabei ist im Heiligen Geist durch Christus den Vater anzubeten.

Dass die ganze Dreieinigkeit an unserer Anbetung beteiligt ist, heisst noch etwas: Der ganze Mensch soll beteiligt sein. Vielleicht hat dir meine Bemerkung über die Berechtigung Kirchengesangsbüchern einen Stick versetzt. Dann kommt
hier der Ausgleich: Anbetung passiert nicht nur durch unsere Lippen. Sie passiert durch unseren Körper, unsere Sinne, unsere Gefühle und unsere Gedanken. Die Dreieinigkeit als Grundlage für unsere Anbetung ist ein unschlagbares Argument für das Ausprobieren neuer Anbetungsformen. Manche fühlen sich mit Texten und Inhalten wohl, andere mit Kunst oder Tanz oder Poesie (Glick 2006: 13f; 43). Alles hat Platz und wir sollten uns auch mal an dem Versuchen, was uns zu erst Fremd scheint. Oder uns freuen, wenn die andern ihr Ding machen während wir unseres tun. Schliesslich ist Gott ein Genie darin, die unterschiedlichsten Dinge zu einer wunderschönen Einheit zusammen zu fügen. Er, der unseren Worship bewirkt, vollkommen macht und empfängt.

Dom Donald's Blog: Rublev's Icon of the Trinity
Rublev, Dreifaltigkeitsikone

Literaturverzeichnis

Bibleserver.com. Neue Genfer Übersetzung. Online im Internet: https://www.bibleserver.com/NG%C3%9C/R%C3%B6mer8%2C26

Glick, Robert P. 2006. With All Thy Mind. Worship that honors the wa God made us. Herndon, VA: The Alban Institute.

Witvliet, John D. 2005. The Opening of Worship = Trinity, in Van Dyk 2005, 1-27.

Van Dyk, Leanne (Hrsg.) 2005. A More Profound Alleluia. Theology and Worship in Harmony. Grand Rapids: Erdmans Publishing Company.

Bilderverzeichnis

Delanoix, Anthony 2015. Party fans raised their hands. Online im Internet: https://unsplash.com/photos/hzgs56Ze49s

Kraft, Roman 2017. Together is better. Online im Internet: https://unsplash.com/photos/0EVKn3-5JSU

Rublev o.J.. Dreifaltigkeitsikone. Online im Internet: http://4.bp.blogspot.com/-FK2XwumzXMQ/Uv6SAAAAAAAATxA/XBAa8MFKhgo/s1600/6+OT+Trinity+Rublev+ok.jpgRm0fgtI/

Was muss ich tun, um gerettet zu bleiben?

«Die Ehrfurcht vor dem Herrn ist der Anfang der Weisheit» (Spr 9,10). Ehrfurcht ist in meinem Leben kein alltägliches Gefühl, aber weise wäre ich schon gerne. Also entschied ich, mich für diesen Artikel mit dem Thema Ehrfurcht auseinanderzusetzen. Beim Lesen meiner ausgewählten Literatur traf mich dann jedoch eine Aussage und lies mich nicht mehr los: «Rettung ist ein Geschenk, das man nicht kaufen oder verdienen kann. Du kannst sie jedoch nicht bewahren, wenn du im Austausch nicht dein eigenes Leben dafür gibst» (Bevere [1997] 2000:75).

Wirklich? Ist meine Rettung am Ende doch von meiner Fähigkeit abhängig, mich selbst zu verleugnen? Und was heißt das ganz konkret? Muss ich mehr spenden, mehr Bibel lesen, mehr beten und dafür auf alles verzichten, was nicht Gott dient? Oder muss ich es irgendwie schaffen, mich mehr an Gott zu freuen, wie es John Piper fordert: «Die Liebe zu Christus beinhaltet Freude an seiner Person. Ohne diese Liebe kommt niemand in den Himmel» ([2004] 2017:33). Kurz gesagt: Was muss ich tun, um gerettet zu bleiben?

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Mein Verständnis des Evangeliums sagte mir «Glaube nur». Trotzdem bekam ich Angst. Was, wenn ich das alles falsch verstanden hätte? Also begab ich mich auf die Suche und schaute mir die Positionen verschiedener Theologen an und wie sie sie argumentieren.

Argumentation: «Glaube plus X»

John Bevere, dessen Aussage mich zur Themenänderung veranlasste, baut seine Argumentation auf Apostelgeschichte 2,1-3 auf. Von den über 500 Gläubigen, die den Auferstandenen gesehen hatten, waren nur noch 120 übriggeblieben. Laut Bevere hätte Gott gewartet, bis nur noch die übrig blieben, die wirklich ihr Leben aufgegeben hatten (Bevere [1997] 2000:74–78). Später bezeichnet er die Gottesfurcht, als «Schlüsselelement zu unserer Errettung» (:207). Seine Begründung ist, dass wir ohne Gottesfurcht «nicht erkennen, daß [sic] wir der Errettung bedürfen» (ebd.).

A.W. Tozer vertritt eine ähnliche Position: «In Wahrheit aber ist der Heiligen Schrift eine vom Gehorsam getrennte Errettung unbekannt» (Tozer [1991] 2001:8). Tozer begründet das damit, dass man an den «ganzen Herrn Jesus Christus» (:12) glauben müsse. Es sei also nicht möglich, Jesus als Retter, aber nicht als Herrn anzunehmen (:13).

Der bereits zitierte John Piper ist überzeugt, dass Rechtfertigung nur aus Gnade geschieht und nicht mit der Heiligung verwechselt werden dürfe (Piper [2004] 2017:81f). Dennoch geht er davon aus, dass die Rechtfertigung verloren gehen könne: «Auf diese Weise ergreifen wir das ewige Leben – indem wir darum kämpfen, den Glauben zu erhalten, zusammen mit seiner Freude in Christus» (:34).

Auch Augustinus argumentiert in eine scheinbar ähnliche Richtung. Er differenziert drei Arten von Gnade: Die «Zuvorkommende Gnade» bereite die Bekehrung vor und die «Bewirkende Gnade» bewirke die Bekehrung und eine Veränderung des Willens ohne Mitwirken des Menschen. Nach der Bekehrung folge die mitwirkende Gnade, die dem Menschen bei Wiedergeburt und Wachstum helfe. Für beides sei aber ein aktives Mitwirken des Menschen notwendig (McGrath & Hempelmann 2013:510f). Alle drei Arten der Gnade bewirkten zusammen die Rechtfertigung. McGrath erläutert, dass in diesem Kontext Rechtfertigung das zusammenfasst, was im Protestantismus Rechtfertigung und Heiligung sind (:522).

Gegenargumentation: «Allein der Glaube»

Ist also die Heiligung für die Rettung notwendig? Muss ich einem heiligen Leben nachjagen, um gerettet zu werden? Martin Luther widerspricht, McGrath fasst seine Position so zusammen: «Der rettende Glaube meint das Glauben und Vertrauen, dass Christus […] für uns das Werk des Heils vollbracht hat» (:517). Die Heiligung ist demnach ein nach der Rettung stattfindender Prozess zur zukünftigen Beseitigung der Sünde, der aber im Leben nicht abgeschlossen wird (:519).

Wie sieht die Bibel das Thema? Chafer und Walvoord geben an, dass das NT an 115 Stellen von der Rettung allein aus Glauben spricht (Chafer & Walvoord [1974] 2018:219f). Sie argumentieren, dass diese Stellen erwähnen würden, wenn mehr notwendig wäre (ebd.).

Charles C. Ryrie widerspricht Tozers Argumentation, dass man an Christus auch als Herrn annehmen müsse, um gerettet zu werden. Ryrie führt aus, dass die Bibel von zahlreichen Beispielen berichtet, in denen Christen keine volle Entschlossenheit zeigten, Gott zu gehorchen (Ryrie [1969] 2016:231ff). Weiterhin argumentiert er, dass «Herr» im Bezug auf Jesus nicht vorrangig Herrscher meint, sondern Gott (:234). Entscheidend sei also, an Jesus als Gott zu glauben.

Die oben skizzierte Argumentation Augustinus’ impliziert, dass Heiligung untrennbar zu der Rechtfertigung dazugehört. Jedoch betont er vor Allem den Geschenkcharakter der Rettung (McGrath & Hempelmann 2013:509). Gott verändere den Willen des Menschen, sodass dieser sein Leben und Denken ändere (:511). Augustinus sagt, wir seien «mit Blick auf unser Heil von Beginn bis zum Ende unseres Lebens vollkommen von Gott abhängig» (:506). Demnach ist die Heiligung zwar wichtig, aber geschieht unter Einwirkung von Gottes Gnade.

Fazit

Bei der Sichtung der Literatur wurde mir bewusst, wie kontrovers dieses Thema diskutiert wird. Interessant finde ich, dass alle Autoren Wert auf die Heiligung legen. Der Unterschied liegt darin, welchen Einfluss die Heiligung auf unsere Rettung hat. Autoren wie Bevere, Tozer und Piper sehen einen Zusammenhang und warnen eindringlich davor, sich nur auf dem Glauben auszuruhen. Andere Autoren wie Luther und Ryrie halten die Heiligung auch für wichtig, aber sie sehen sie als eine Folge der Rettung und nicht als ihre Bedingung. In der Argumentation des Augustinus lässt sich eine Zwischen-Position erkennen: Heiligung ist zwar wichtig, jedoch wird sie von Gott gewirkt.

Nach Betrachtung der Argumente erscheint es mir schlüssiger, dass der Glaube an Jesus als Gottes Sohn, der für mich gestorben ist, für die Rettung ausreicht. Wieso sollten sonst so viele Bibelstellen die anderen Bedingungen verschweigen? Und wie könnten wir jemals wissen, ob wir diese Bedingungen erfüllen? Es ist aber auch deutlich, dass unser Lebenswandel nach der Rettung nicht egal ist. Gott erwartet Heiligung von uns. Aber wenn ich mir bewusst mache, dass Gott selbst sein Leben für mich gab, wie könnte ich mir seine Ziele nicht zu Eigen machen?

Also, was muss ich tun, um gerettet zu bleiben? Ich muss dem vertrauen, der für meine Rettung sein Leben gab. Ich muss vertrauen, dass sein Leben für meines ausreichend ist.

Literaturverzeichnis

Bevere, John [1997] 2000. Die Furcht des Herrn: Entdecke, wie du ein enger Freund Gottes sein kannst. Grasbrunn: Adullam Verlag.

Chafer, Lewis S. & Walvoord, John F. [1974] 2018. Grundlagen biblischer Lehre. 2. Aufl. Dillenburg: Christliche Verlags-Gesellschaft Dillenburg.

McGrath, Alister E. & Hempelmann, Heinzpeter (Hg.) 2013. Der Weg der christlichen Theologie. 3., überarb. und erw. Aufl. Gießen: Brunnen.

Piper, John [2004] 2017. Wenn die Freude nicht mehr da ist. 2. Aufl. Bielefeld: CLV.

Ryrie, Charles C. [1969] 2016. Ausgewogen statt abgehoben: Der Weg zu einem echten geistlichen Leben. Dillenburg: Christliche Verlags-Gesellschaft Dillenburg.

Tozer, Aiden W. [1991] 2001. Muss man Gott fürchten?: Das Gottesbild der Postmoderne: CLV.

Ruhe – echt jetzt?

Wir leben in einer zunehmend schnelllebigen Zeit und es ist in dieser modernen westlichen Welt kaum Raum einmal in Stille zu verharren. In dieser Welt, in der so manches Mal Ruhe zu kurz kommt oder sogar als komisch betrachtet wird, leben wir als getriebene Menschen. Oder ein Mensch erhält gar das Gefühl, er müsse sich entschuldigen, wenn er sich ausruht oder müde ist und Mal nicht voll am Drücker ist. Ruhe ist auf irgendeine Art und Weise in Verruf geraten. Irgendwie herrscht bei Ruhe der Eindruck vor, dass man etwas verpassen könnte.

Abb. 1: Ruhen (Manfredsteger 2019).

Definition von Ruhe

Wenn heute nach einer Definition für Ruhe gesucht wird, trifft man auf eine fast völlige Stille oder auf einen Zustand, welcher durch nichts gestört wird. Bei den Synonymen sind als erstes die folgenden Begriffe zu finden Frieden, Geräuschlosigkeit, Lautlosigkeit und Stille (duden.de «Ruhe»). Also handelt es sich um eine Stille, in welcher kein Lärm auf uns einwirkt.

Beobachtungen und der Wert der Ruhe

Wenn man ruht, kann man seiner eigenen Geschichte und Vergangenheit näherkommen. Denn man kann sich auf eine eigene Art und Weise an viele Dinge erinnern. In der Ruhe können sich die Erinnerungen von früher und die Gegenwart miteinander verknüpfen. Also kommt es dazu, dass wenn jemand ruht, sich besser erinnert und sein Dasein reflektiert. Ruhen bietet die Möglichkeit sich zu entspannen. Das Innere eines Menschen wird ruhig, er erholt sich und gewinnt innerlich an Tiefe. Könnte eine bewusste Ruhe also damit zusammenhängen, sein eigenes Leben zu retten (Sjödin 2016:8-9).

Eine Kunst, welche es wieder neu zu lernen gibt für die Menschen, ist das bewusste zwischenzeitliche Ausblenden der alltäglichen Überflutung mit Eindrücken und Informationen. In der Bibel kennt man hierzu den Sabbat. Was bedeutet dies konkret? Innerhalb von Gen 2,3 segnet Gott den siebten Tag und dieser Tag kann als Krönung der Schöpfung bezeichnet werden. Speziell auch dadurch, dass man diesen heiligen soll. Die Absicht, welche Fischer dahinter vermutet, ist die, dass ein Mensch das Ruhen nachahmt. So, dass ebenfalls die Menschheit für sich selbst Augenblicke erlebt, die heilig sind und darin die Gegenwart Gottes wahrnehmen (Fischer 2018:172). Somit kann man auch sagen, dass in der Ruhe durch das Aufschauen und Nähe suchen, zu Gott gefunden werden kann. Sabbat bedeutet aufhören, von etwas ruhen (Schl 2017:69). Es ist auch verwandt mit etwas an die korrekte Stelle setzen, bringen oder halten. Demgemäss meint Sabbat und Ruhe auch einen Zwischenhalt von all der Geschäftigkeit zu machen. Somit handelt es sich um einen Halt im zweifachen Sinne: Aufhören und daraus heraus einen festen Halt wieder zu erhalten (Kägi 2005:74). Wenn denn jemand diesen Halt nutzen möchte, setzt es voraus, dass man seine Beschäftigung unterbricht. Hierbei braucht es auch einen Glauben und ein Vertrauen in die Geborgenheit bei und im Schöpfer (:75).

Eine spannende Beobachtung ist, dass der siebte Tag der erste Tag ist, den der Mensch in der Schöpfung erlebt hat. Er wird am sechsten Tag erschaffen und beginnt seinen ersten Tag damit, aus dem Atem beim Schöpfer zu leben und aus dem heraus dann in sein Dasein zu starten. Aus dem Ruhen und Halten in Gott nimmt der Mensch später seine Tätigkeit auf. Spannend!

Die Ruhe ist ein Geschenk Gottes. Sich diese Ruhe in ihm zu erlauben, ist ein unermesslicher Gewinn für einem selbst. Gerade heute leben wir in einer Zeit, in der wir manchmal denken, kaum einen Moment nichts zu tun, sei nicht in Ordnung. Doch in Ruhezeiten können wir neue Kraft schöpfen. In seiner Gegenwart können wir durchatmen, auftanken und erfrischt werden.

Dies zu lernen ist eine hohe Lebenskunst. Sich getrauen zu wählen zwischen an und auson and off (Sjödin 2016:12). Eine weitere Beobachtung die Sjödin mitteilt, der der Meinung ist, dass es beim Ruhen nicht nur darum geht nichts zu tun, sondern etwas anderes (Sjödin 2016:13). Zeit haben eine Sache oder, ganz im Allgemeinen, das Leben in Ruhe zu betrachten, wirkt sich aus, so dass neue Erkenntnisse erwachen. Ganz einfach, weil man sie im Strudel der Zeit und des hektischen Tuns nicht wahrnimmt, weil man zu sehr am Strampeln ist. Eine Auszeit bringt Ruhe und Klarheit hinein, im Besonderen, wenn es an einem abgeschiedenen Ort ist und nicht durch Äusserlichkeiten eingegriffen werden kann, sondern wenn man einfach ein neuer Zuschauer seines eigenen Daseins wird (:16). Ruhe führt uns in die Gegenwart Gottes hinein, zu ihm, der den Rhythmus  des Sabbats für diese Welt zum Wohle der Menschheit gesetzt hat (:19). Gleichzeitig beinhaltet Ruhe die positive Komponente des Loslassens. (:20). Loszulassen und gleichzeitig durchzuatmen und zu ruhen führt zu einer tiefen Ausgeglichenheit.

Fazit

Ruhe – echt jetzt? Ja – echt und von grossem Wert, besonders für einem selbst. Ich selbst dachte auch lange Zeit, schon wieder dieses Thema oder das kann nicht von solcher Relevanz sein, um darüber zu sprechen und sich ausführlich Gedanken dazu zu machen. Bis ich mit dem Buch von Tomas Sjödin in Berührung kam und seitdem oft an dessen Titel denken muss: Warum Ruhe unsere Rettung ist. Auf amüsante und ehrliche Art nimmt er den Leser mit in sein Leben und seine Gedankenwelt. Er hat für sich selbst entdeckt, dass eine Gegenmassnahme zur Alltagshektik von Nöten ist, um darin auch selbst zu erkennen, dass Ruhe wertvoll ist und vor allem, dass es etwas Besonderes ist und nicht versteckt werden muss.

Eine Lebenskunst die sich zu erlernen und angewöhnen lohnt, weil ein höher Wert darin liegt, wenn nicht sogar tatsächlich die Rettung für das eigene Leben. Dinge laufen zu lassen und nicht daran teilzunehmen, das ist in Ordnung. Denn in der Ruhe kann ich mich Gott nähern und darf in meinem Lebensalltag wieder festen Halt finden – geerdet in Gott!

Literaturverzeichnis

Begegnung fürs Leben. Die Studienbibel für jeden Tag. 2011. 3. Aufl. Nördlingen: C. H. Beck.

Die Bibel. Übersetzung von Franz Eugen Schlachter, revidierte Fassung. 2017. 7. Aufl. Genf: Genfer Bibelgesellschaft.

Fischer, Georg 2018. Genesis 1-11. Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament. Freiburg im Breisgau: Herder.

Kägi, Hansjörg 2005. Auf den Spuren des Schöpfers. Eine messianische Auslegung der Schöpfungsgeschichte 1. Mose 1+2. Winterthur: Schleife.

Manfredsteger 2019. Hängematte und Ruhen. pixabay.com. Online im Internet: https://pixabay.com/de/vectors/pause-h%c3%a4ngematte-auszeit-freizeit-3947908/ [14.07.2021].

Ruhe. duden.de. Online im Internet: https://www.duden.de/rechtschreibung/Ruhe [14.07.2021].

Sjödin, Tomas 2016. Warum Ruhe unsere Rettung ist (Stell dir vor du tust nichts und die Welt dreht sich weiter). 2. Aufl. Witten: SCM.

Baum am Wasser

Der Gerechte ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und seine Blätter verwelken nicht (Psalm 1,3).

Es gibt nichts Schöneres, als an einem heissen Sommertag unter einem Baum zu sitzen. Die Blätter des Baumes spenden einen angenehmen Schatten und eine kühlende Briese lässt die Blätter leise rascheln. Im Geäst zwitschert ein Vogel fröhlich vor sich hin und die Luft ist erfühlt vom Summen und Brummen unzähliger Insekten. Dieser Baum brauchte Jahrzehnte, um seine stattliche Grösse zu erreichen. Langsam, aber stetig wuchs er. Dieser Baum trotzte manchem Sturm und weder sengende Hitze noch klirrende Kälte konnten ihm etwas anhaben. Ein solcher Baum steht für Beständigkeit, er lebt und spendet Leben. In seiner Umgebung gedeiht das Gute. Psalm 1,3 vergleicht den gerechten Menschen mit einem solchen Baum. Es ist offensichtlich, dass es erstrebenswert ist, ein Gerechter zu werden. Doch hier stellt sich sofort die Frage, wie man ein Gerechter wird. Um diese Frage zu beantworten, lohnt es sich, den Psalm 1 etwas genauer zu betrachten.

Weg des Gottlosen

Weg des Gottlosen

Psalm 1 beginnt mit den Worten: «Wohl dem der nicht wandelt im Rat der Gottlosen, noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen». Im ersten Moment könnte man denken, der Gerechte tue gut daran, sich von allen Gottlosen fernzuhalten. Doch dies würde diametral dem Verhalten von Jesus widersprechen. Er hielt sich nicht von den Gottlosen fern, im Gegenteil: Immer wieder wurde er kritisiert, weil er mit Sündern, mit Unreinen und Ausgestossenen unterwegs war. Diese Mahnung muss demnach etwas anderes bedeuten.

In dieser Mahnung ist eine kontinuierliche Steigerung zu sehen (Lamparter 1958:27). Ein Mensch kreuzt den Weg der Gottlosen (1), danach beginnt er dem Weg der Gottlosen zu folgen (2), bevor er schliesslich selbst zu einem Gottlosen wird (3). Das Denken wie ein Gottloser führt zum Handeln wie ein Gottloser. So wird ein Mensch schlussendlich zu einem Gottlosen.  

Rechtfertigung

Der Weg des Gerechten müsste demnach genau in die entgegengesetzte Richtung verlaufen. Er beginnt, zu Denken wie ein Gerechter, aus diesem Denken verändert sich sein Handeln und so wird er schlussendlich zu einem Gerechten. Doch an dieser Stelle ist Vorsicht geboten. Schnell könnte man zum Schluss kommen, dass der Mensch durch sein Denken und Handeln gerecht vor Gott wird. Seine Rechtfertigung vor Gott wäre demnach von seinen Werken abhängig. Der Weg des Gerechten wäre demnach von Werksgerechtigkeit geprägt. Der Mensch müsste sich seine Rechtfertigung durch sein Denken und Handeln verdienen. Insbesondere Paulus, aber auch andere Autoren im Neuen Testament wehren sich vehement gegen die Werksgerechtigkeit. Im Römerbrief widmet sich Paulus sehr ausführlich der Rechtfertigung. Gleich zu Beginn des Briefes gibt er eine kurze Zusammenfassung (Röm 1,16-17). Er schreibt: «Ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht, alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen. Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht: Der Gerechte wird aus Glauben leben.»

Mit dem Evangelium meint Paulus das Zeugnis von Jesus. Die Botschaft, dass Gott in Jesus Mensch wurde. Dass Jesus die Schuld der Menschen am Kreuz auf sich nahm, dass er den Tod besiegte, in den Himmel aufstieg und dass er wiederkommen wird. Der Glauben an Jesus bringt Rechtfertigung vor Gott. Oder anders gesagt, der Gerechte wird aus Glauben leben. Paulus erläutert dieses Thema in den Kapiteln 1-11 noch genauer. Dort schreibt er auch, dass sich das Denken und Handeln des Gerechten nach dem richten soll, was gut und gerecht ist.

Hier wird also klar, dass der Mensch durch sein Glauben an den Tod und die Auferstehung von Jesus gerechtfertigt ist. Der Glaube macht ihn zum Gerechten. Der Weg des Gerechten beginnt also mit der Rechtfertigung. Von dort aus wird sich sein Denken und Handeln verändern. Der Mensch wird also nicht durch sein Denken und Handeln zum Gerechten, sondern weil er ein Gerechter ist (1), verändert sich sein Denken (2) und Handeln (3).

Weg des Gerechten

Der Weg des Gerechten

Der Mensch wird durch seinen Glauben zum Gerechten und begibt sich damit auf den Weg des Gerechten. Doch an was erkennt der Gerechte, dass er sich in die richtige Richtung bewegt? Nach was soll sich sein Denken und Handeln richten? An was misst sich, was gut und gerecht ist? Psalm 1 gibt auch hier einen Hinweis. Er spricht davon, dass der Gerechte Tag und Nacht über das Gesetz des Herrn nachsinnt. Im heutigen Kontext bedeutet dies ein Verinnerlichen der biblischen Botschaft. Das Zeugnis der Bibel zeichnet ein Bild davon, was gut und gerecht ist. Das Denken und Handeln des Gerechten sollen sich nach dem Zeugnis der Bibel richten. Des Weiteren spricht der Psalm von der Gemeinde der Gerechten. Der Gerechte ist auf seinem Weg nicht allein. Die Kirche, damit ist die Gemeinschaft der Gläubigen gemeint, ist gemeinsam auf dem Weg des Gerechten. In alle dem dürfen die Gerechten darauf vertrauen, dass Gott sie begleitet und leitet.

Wie ein Baum an Wasserbächen, wird ein Gerechter auf dem Weg des Gerechten wachsen und gedeihen. Beständig wird er grösser werden und um ihn kann das Leben aufblühen und florieren. Auch wenn die Stürme des Lebens an ihm zerren, wird er nicht wanken.  Denn er weiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges, noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch eine andere Kreatur ihn scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, seinem Herrn (Röm 8,38-39).

Literaturverzeichnis

Lamparter, Helmut 1958. Das Buch der Psalmen. Bd. 14, 2. Stuttgart: Calwer Verlag.

Luther, Martin & Evangelische Kirche in Deutschland (Hg.) 2009. Die Bibel: nach Martin Luther. Lutherbibel Standardausg. mit Apokryphen 1984. Stuttgart: Dt. Bibelges.

Bilder und Illustrationen

Illustrationen: Simon Burn
Bilder: Bernhard Burn

Jugendarbeit 2000. Wie gelingt es uns die Jugend in unseren Kirchen zu halten?

das Probelm:

Ich möchte lieber in den Ausgang und dann ausschlafen. Ich möchte lieber an meinen Fussballmatsch. Wer kennt es nicht? Die Jugend von heute hat so viele Hobbys, und ist nebenbei in den meisten Berufen sehr gefordert. Immer mehr und immer schneller ist da bei vielen die Devise. Und oft bleit dabei die Kirche und der Glauben auf der Strecke. Viele Kirchen kämpfen um ihre Jugendlichen. Wenn man sich in Freikirchen Kreisen umhört merkt man, dass sich viele nicht mehr mit der Kirche von Heute identifizieren können. Und wenn doch dann sind es die Grossen „Partykirchen“ welche die Jugendlichen noch anziehen. Viele kleinere Kirchen haben nicht das Budget und die Zeit grosse Jugendgottesdienste anzubieten und so brechen die Jugendgruppen und Teenagerclubs auseinander. Doch wie kann man das Problem lösen und wie gelingt es die Jugendlichen trotzdem in den Kirchen zu halten und so zu arbeiten, dass sie gerne kommen? Ich probiere anhand von zwei Ansätzen mögliche Lösungen zu präsentieren mit welchen man das „Problem“ angehen kann und es hoffentlich gelingt die Jugendlichen in unseren Kirchen zu halten, sie herauszufordern und mit ihnen Gemeinde zu bauen.

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Jüngerschaftskultur aufbauen

Der erste Ansatz oder Lösung ist sogar in einem Buch von Mike Breen und dem 3DM-Team „Eine Jüngerschaftskultur aufbauen“ festgehalten. Breen (2011:11) sieht dass Problem darin, dass die meisten von uns in ihrer Ausbildung gelernt haben, die Gemeinde als Organisation aufzubauen, ihr zu dienen und sie zu führen, und den meisten damit garnie beigebracht wurde, wie man Menschen zu „Jüngern“ macht. Viele Jugendgruppen und Teenagerclubs sagen zwar das Jüngerschaft machen, jedoch Tümpeln die meisten von ihnen vor sich hin und bieten alle 2-3 mahle das gleiche an. Breen sagt (:20) dass vielen dieser Jugendgruppen ein wesentlicher Bestandteil fehlt. Das Herausfordern. Zwar werden in den meisten Predigten am Schluss noch Gedankenanstösse und Fragen gestellt. Jedoch nicht so, dass sich Jugendliche wirklich angesprochen fühlen. Die Lösung heisst Huddles. Kleinere Gruppen welche sich regelmässig treffen und sich über den Glauben austauschen und einander herausfordern. Dies löst zwar nicht das „Predigtproblem“ aber es kann dazu führen, dass sich die Jugendlichen miteinander unterwegs sind und es fast schade ist wenn sie sich am Sonntag nicht sehen und somit einen Austausch verpassen.

Der Huddle Funktioniert anhand von verschiedenen Kreisen und Ecken (Breen:56-57). Es geht darum geistliche Durchbrüche zu erleben. Darin fest verankert ist das Gebet und das herein wachsen in tiefe und ausgewogene Beziehungen untereinander. Anhand eines guten Lebensrhythmus sollen dann „Jünger“ multipliziert werden und die persönliche Berufung anhand von Epheser 4 kennengelernt werden. Dies alles führt zu einem Leben in der Gemeinschaft und zu guter geistlicher Gesundheit.

Dieses erste Model ist sicher eine Chance Jugendliche in unseren Kirchen zu halten und wir haben in unserer Gemeinde gute Erfahrungen mit Jugendhauskreisen (Huddles) gemacht. Es braucht zwar Zeit und Ressourcen bis ein wirkliches Vertrauen und eine offene und ehrliche Kultur entsteht, aber wenn es dann soweit ist, dann kommen die Jugendlichen gerne und es macht ihnen auch wieder Freunde in die Kirche zu kommen und ihre Freunde zu treffen.

Das Hirten Prinzip

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Wenn man sich unter den Jugendlichen umhört, dann hört man von vielen, dass ihnen gute Vorbilder und Leiter fehlen welche ihnen vorangehen, sie herausfordern und ihnen Chancen geben sich selber zu entfalten. Kevin Leman und Willian Pentak haben ein Buch dazu herausgebracht welches aufzeigt wie man ein „guter Hirt“ wird und wie man dadurch mit Menschen unterwegs sein und sie mitnehmen kann. Sie zeigen Anhand von sieben Prinzipien auf wie es uns gelingt gute Hirten zu sein und die „Schafe“ mitzunehmen zu führen und sie auch in der Herde zu behalten.

1: Es ist wichtig den Zustand seiner Leute mit denen man unterwegs ist zu wissen. Man soll sich regelmässig um die Herde und die einzelnen Mitglieder darin kümmern und ihre Geschichte kennen sowie daran Anteil nehmen. (2010:33)

2: Kenne ihre Stärken und Schwächen. Fühle ihr Herz. Teile deine Erfahrungen und lass sie auch an deinem Leben teilhaben.

3: Das Vertrauen untereinander ist entscheidend. Schaue darauf, dass du dich bemühst einen Authentischen, integren und einfühlsamen Lebensstil zu haben und dich nicht zu verstellen. Jugendliche merken es sofort wenn man ihnen etwas vorspielt. (:67)

4: Genauso wichtig wie das Vertrauen zueinander ist ein Gefühl der Sicherheit. Wenn wir zwar jeden Jugendhauskreis besuchen uns aber nie am Sonntag in der Kirche blicken lassen verunsichert das die Herde und es werden fragen gestellt. Ebenso ist es wichtig die Jugendlichen gut zu informieren. Sie am Gemeindeleben teilhaben zu lassen und ihnen die Sicherheit zu geben das sie wissen was in der Kirche abläuft. (:87)

5: Für Jugendliche ist es wichtig jemanden zu haben der vorangeht. Jemand der sie führt und ihnen den Weg weist. Dies bedeutet auch, da zu sein wenn sie in Schwierigkeiten sind uns es ihnen nicht so gut geht. Denn genau dann brauchen sie einen starken Leiter. (:105)

6: Wichtig ist auch sich für seine Jugendlichen einzusetzen. Ihnen Chancen zu geben und sie wie bereits mehrmals erwähnt herauszufordern. Wichtig dabei, immer mal wieder nach zu fragen und sicherzustellen, wie es ihnen geht und wo sie gerade dran sind. (:127)

7: Das Allerwichtigste ist das Herz des Hirten. Wenn wir mit Jugendlichen unterwegs sind, dann sollten wir uns selber öffnen. Es ist wichtig uns nicht zu verstellen und irgendwas vorzuspielen. Es ist entscheidend mit unseren Jugendlichen zu lachen, zu weinen, Party zu machen und auch in schwierigen Situationen für sie da zu sein und mit ihnen vorwärts zu gehen.

Ich finde diese sieben Schritte sehr spannend und es lohnt sich definitiv als Kinder & Jugendarbeiter das Buch von Leman und Pentak „Das Hirtenprinzip, 7 Erfolgsrezepte guter Menschenführung“ zu lesen und sich einige Punkte zu herzen zu nehmen.

Und jetzt? GO!

Ich habe probiert anhand von zwei verschiedenen Ansätzen Lösungen zu präsentieren mit welchen man die Jugendlichen in unseren Gemeinden behalten kann und mit ihnen unterwegs sein kann. Natürlich braucht dies alles Leute und Ressourcen und nicht jede Gemeinde kann es sich leisten oder hat so viele Leute welche sich bereit erklären einen Huddle oder eine Jugendgruppe zu führen. Doch wenn man die Jugendlichen wirklich in seiner Kirche halten möchte und verhindern will, dass sie zu den „Megakirchen“ in den Grossstädten abwandern dann muss man sich auch dafür einsetzten und evtl. auch mal bereit sein ein wenig mehr Zeit und auch Geld zu investieren.

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Wir haben in unserer Gemeinde Jahrelang nur mir Ehrenamtlichen gearbeitet und es brauchte einige Gespräche und Nerven bis wir uns entschieden haben Leute Anzustellen welche mit den Kindern und den Jugendlichen auch ausserhalb der normalen Kirchengefässe Zeit verbringen und mit ihnen unterwegs sind. Etliche Jugendliche haben unsere Kirche verlassen und sich andern Kirchen angeschlossen und wir sind uns bewusst das dies auch in der Zukunft passieren wird. Doch ich darf mit stolz sagen, dass wir durch unsere Anstellung von zwei Kinder & Jugendarbeiter eine Riesige Jungschargruppe sowie eine grosse Unihockey Arbeit besitzen. Jugendhauskreise werden ebenso angeboten wie eine U20 welche sich den Jugendlichen annimmt welche nicht mehr in den Unti, oder den Teenagerclub gehen dürfen. Dies hat dazu geführt das bei uns Jugendliche herausgefordert werden und sie in diversen Diensten unserer Kirche mitarbeiten und nicht sofort nach dem Teenagerclub in die Grossen Kirchen abwandern.

Natürlich ist es nicht jeder Kirche möglich zwei Leute anzustellen oder so viele verschiedene Gefässe anzubieten. Doch es lohnt sich Leute und Ressourcen freizusetzen, ihnen Chancen zu geben und sie zu unterstützen damit wir die nächsten Generationen unserer Kirchen bei uns behalten und sie zu mündigen und multiplizierenden Persönlichkeiten werden können. Ich möchte mit einem Zitat aus dem Buch Fresh X von Michael Moynagh schlissen: „Jeder in der Gemeinde kann seine stärken mit einbringen und jede Gemeinschaft, ganz gleich welcher Grösse, kann etwas bewirken – manchmal fängt es ganz klein an und die Auswirkungen sind erstaunlich gross“ (. ALSO LETS GO!

Literaturverzeichnis

Breen Mike 2011. Eine Jüngerschaftskultur aufbauen: Wie starten wir eine missionale Bewegung durch Jesusmässige Jüngerschaft? Vineyard Zürich, Schweiz.

Leman Kevin & Pentak William 2010. Das Hirtenprinzip: 7 Erfolgsrezepte guter Menschenführung. Wilhelm Goldmann Verlag, München.

Moynagh Michael 2016. Kirche. erfrischend. vielfältig. Fresh X: Das Praxishandbuch. Brunnen Verlag Giessen.

Webseite zu FreshX: Kirche anders ausdrücken | Fresh X-Netzwerk (freshexpressions.de)

Was hat Armut mit meinem Konsumverhalten zu tun?

Armut und Gerechtigkeit sind umstrittene Themen und oft fehlt das nötige Wissen darüber. Durch die Globalisierung kann sich aber niemand mehr abgrenzen. «Nichts sehen, hören oder sagen» sind schlechte Antworten auf die katastrophalen Lebensumstände vieler Menschen in der dritten Welt. Eng damit verknüpft ist auch das Thema Nachhaltigkeit, welches durch Wissenschaftler und Politiker laut debattiert wird. Und wir Christen? Was können wir zu dieser – zugegeben sehr komplexen Thematik – beitragen? Was finden wir in der Bibel dazu und was bedeutet dies für mein (Konsum-) Verhalten?

In der Bibel gibt es über 2000 Verse über Armut und Gerechtigkeit (Faix 2010:9). Es geht dabei nicht nur um das „gerecht sein vor Gott“ und unser geistliches Leben. Gerechtigkeit ist immer ganzheitlich zu verstehen und soll konkrete Auswirkungen auf unser Verhalten Anderen und der Schöpfung gegenüber haben (Meier 2020).
Nicht nur Jesaja (58,7) äusserte klar: «Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!» Auch im Deuteronomium 15,11 werden wir aufgefordert, den Armen und Bedürftigen grosszügig zu helfen. Die Armenpflege wurde im Gesetz (Dtn 15,7-11) vorgeschrieben und war daher wichtig und öffentlich organisiert. Das Kümmern um die Bedürftigen hat in der Bibel einen hohen Stellenwert und wird teilweise sogar mit der Gottesbeziehung verglichen (Faix 2010:15). Gott sind die Armen wichtig und er stellt sich klar auf ihre Seite (Ps 10/ 14/ 40/ 68/ 103/ 146). Seine Liebe für die Benachteiligten zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel. Jesu Lesung (Lk 4, 18) aus Jesaja zeigte seine grosse Sorge für die Armen. Er identifizierte sich mit diesen Aussagen und setzte sich für die Armen, Unterdrückten und Kranken ein. 

Papst Franziskus sprach von der Entkleidung vom Geist der Weltlichkeit (Sedmak 2017:29f). Dieser Geist zeichnet das Merkmal der Gleichgültigkeit gegenüber der Not. Eine Entscheidung wird verlangt, da man nicht gleichzeitig zwei Herren dienen könne (Mt 6,24). 


Der Auftrag ist also klar: «Helft den Armen». Aber was bedeutet eigentlich Armut? 
Armut ist ein subjektiver Begriff, welcher kulturell geprägt ist und aufgrund der Beurteilung und Wahrnehmung der entsprechenden Bevölkerung beruht (Faix 2010:12f). Die UNO legte den Armutswert bei einem täglichen Einkommen von ca. einem Dollar fest (ebd.). Eine Armutssituation ist eine Lebenslage, welche durch spezifische Mängel gekennzeichnet ist. Diese könnten materielle Güter, Zugang zu Fähigkeiten, zu Land, zu fundamentalen gesellschaftlichen Kontexten wie Arbeit, Bildung, Gesundheit oder Recht sein (Sedmak 2017:23).

Armut beeinflusst auch stark das Innere des Menschen (Sedmak 2017:24ff). So schreibt Carolina Maria de Jesus (ebd.) über ihr Leben in der Favela von Sao Paulo, dass Armut ihr Leben in einen ständigen Kampf verwandle. Sie sieht sich als Sklavin ihrer Lebenskosten. Armut führe zu sozialer Isolierung mit der Erfahrung sozialer Ungleichheit, die zeige, dass es auch anders sein könne. Sie führe zur Deprivation der Erfahrung von Schönem (Wohnen, Essen, Kleidung). Das schlimmste aber sei der Mangel an Ernährungssicherheit. Armut erschwere oder verunmöglich3 das Erreichen von Integrität und müsse deshalb bekämpft werden. 

Jesus gebot uns zur Nächstenliebe (Lk 10,25-37). Wir sind aufgefordert, die Liebe weiterzugeben, die wir von Gott empfangen haben. Doch wer ist mein nächster heute?! 
Durch unsere stark vernetzte Welt sind dies: Die Näherin in Bangladesch, der Bananenbauer in Südamerika, die Supermarktverkäuferin, der Bäcker meines Sonntagszopfes, das Kind in einer Mine Kongos, welches Kobalt für meinen neuen Laptop ab-, und der Sojabauer, welcher Sojafutter für mein Rindfleisch anbaut. Wo wächst mein Essen? Wer macht meine Kleidung? Woher kommt mein Smartphone und wohin geht es, wenn ich es ausrangiere? Wie behandle ich die Bevölkerung auf der anderen Erdhalbkugel, selbst wenn ich sie nie sehen werde?

Dies führt uns zur Frage: Was ist nachhaltiger und gerechter Konsum?
Materieller Konsum ist zu einem zentralen Bestandteil gesellschaftlicher Integration geworden (Brunner 2013:197ff). Er prägt unsere Lebensumwelt (z.B. durch Werbung) wie auch unsere innere Lebenswelt (werde ich auch ohne den neusten Modetrend respektiert?) und gibt vielen Menschen Status, Sinn und Zugehörigkeit. Konsumhandlungen sind von vielen Faktoren abhängig: Wissen, Geld, Prägung, Biografie, politische Strukturen und soziale Beziehungen (ebd.). Viele nichtnachhaltige Konsumpraktiken wurden zur gesellschaftlichen Normalität (:203). Konsummuster sind oft in weltweite Produktions- und Vermarktungssystemen eingeflochten (:206).

Nachhaltigkeit bedeutet gemäss Duden: «Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann.» Es geht also darum – auch im Hinblick auf die stetig wachsende Weltbevölkerung (heute 7.8 Mia, zu Jesu Zeiten ca.100Mio (Müller 2021:3:30f)) – verantwortungsvoll mit unseren (von Gott geschenkten) Gütern umzugehen. 

Nachhaltiger Konsum bedeutet vor allem bewusster Konsum. Dabei werden viel Eigeninitiative und Vorwissen vorausgesetzt. Es ist schwierig im Konsumalltag, die «nachhaltig richtige» Entscheidung zu treffen: Sollen beispielsweise die unverpackten, konventionellen Lebensmittel aus der Region bevorzugt werden (kein Verpackungsmüll, kurze Transportwege, Stärkung lokaler Wirtschaft) oder die biologisch produzierten aus Übersee (Umweltschonung, Gesundheit, Förderung von Arbeitsplätzen in armutsbetroffenen Ländern)? 

Laut der Compassion-Studie sind sich viele Christen nicht bewusst, dass eigenes Konsumverhalten mitverantwortlich sein kann an weltweiter Armut (Faix 2010:57). Mit meinen täglichen (Konsum-)Entscheidungen gebe ich jedoch eine Stimme ab. Soll der Bananenbauer fair entlohnt werden und unter gesunden Umständen arbeiten können oder unterstütze ich ein ungleiches, ausbeuterisches System, welches unsere Schöpfung zerstört? Verantwortungsvoller Konsum und das Bewusstsein, dass mein Verhalten Konsequenzen hat, gehören für mich zur biblischen Nächstenliebe und zum Einsatz für weltweite Gerechtigkeit.
Essen und sich kleiden muss jeder. Mögliche Fragen vor dem Kauf sind: was (Qualität? Funktionalität? gefällt es mir wirklich?), von wo (Herkunft? wer hat es gemacht?), wie viel (brauche ich es unbedingt? müssen es z.B. 20 Shirts sein?) und zu welchem Preis (wer bezahlt effektiv?) – Welche Stimme möchtest du dabei abgeben? 

Es sind die kleinen Schritte, die mitentscheidend sind und je mehr mitmachen, desto eher verändert sich auch im grösseren etwas. Bedenke auch: Dein Wert ist nicht von materiellen Statussymbolen oder dem Modetrend abhängig! Mit deinem bewussten und verantwortungsvollen Konsumverhalten kannst du der strukturellen Sünde entgegenwirken und für eine gerechtere, friedlichere und versöhnte Welt beitragen. 

Hilfreiche Informationen und konkrete Tipps zum Thema:

Click to access Micha-Broschuere-NachfolgeKonsum-Monitorversion-2018.pdf

https://www.publiceye.ch/de/themen/mode/mode-konsum-was-koennen-wir-tun

Literaturverzeichnis:

Brunner, Karl-Michael 2013. Shoppen für eine bessere Welt- KonsumentInnen als Treiber nachhaltiger Entwicklung? in Gabriel & Steinmair-Pösel 2013, 195-206.

Faix, Tobias & Volke, Stephan (Hrsg.) 2010. Was Christen über Armut denken… Weltblick die Compassion-Studie. Schwarzenfeld: Neufeld-Verlag.

Gabriel, Ingeborg & Steinmair-Pösel, Petra (Hrsg.) 2013. Gerechtigkeit in einer endlichen Welt. Osfildern: Grünewald Verlag.

Müller, Gerd 2021. Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller im Gespräch mit Dr. Stefan Vatter. Youtube.com. Online im Internet: https://www.youtube.com/watch?v=s_fFkFdlisQ %5BStand: 20.6.2021].

Meier, Sabrina 2020. Nachhaltigkeit – Was sagt die Bibel zu Konsum, Schöpfung und Gerechtigkeit? smd-erlangen.de. Online im Internet: https://smd-erlangen.de/podcast/nachhaltigkeit-was-sagt-die-bibel-zu-konsum-schoepfung-und-gerechtigkeit/ [Stand: 20.6.2021].

Nachhaltigkeit. Duden.de. Online im Internet: https://www.duden.de/rechtschreibung/Nachhaltigkeit [Stand: 20.6.2021].

Sedmak, Clemens 2017. Das Armutskonzept. In Speelman, Hilsebein u.a. 2017, 23-30.

Speelman, Hilsebein u.a. (Hrsg.) 2017. Armut als Problem und Armut als Weg. Münster: Aschendorf Verlag.

Bild 1: Shopping-Touristen lassen Luxus-Kaufhäuser aufblühen. Wiwo.de. Online im Internet: https://www.wiwo.de/unternehmen/handel/kadewe-und-co-shopping-touristen-lassen-luxus-kaufhaeuser-aufbluehen/24879194.html [Stand: 20.6.2021]

Bild 2: Brasiliens Favelas: Alleingelassen mit COVID-19. Online im Internet: https://www.dw.com/de/brasiliens-favelas-alleingelassen-mit-covid-19/a-54009503 [Stand: 20.6.2021].

Bild 3: Nächstenliebe ist: tue es einfach. Livenet.ch. Online im Internet: https://www.livenet.ch/themen/glaube/glaube/197459-naechstenliebe_ist_tue_es_einfach.html [Stand: 20.6.2021].

Bild 4: Nachhaltig einkaufen in der Schweiz – nicht so einfach. Einfachweniger.ch. Online im Internet: https://einfachweniger.ch/nachhaltig-einkaufen-in-der-schweiz-nicht-so-einfach/?v=ee2d312f5477 [Stand: 20.6.2021].

Verantwortungslos?! Das Verhalten der Christen im politischen Haifischbecken

Als Bürger der Schweiz haben wir das Privileg bei politischen Angelegenheiten mitzureden. Begutachtet man aber bei jeder Abstimmung die doch eher tiefe Stimmbeteiligung des Volkes, so lässt diese zu wünschen übrig. Gewiss gehören zu den durchschnittlichen 50% auch viele Christen. Allerdings sind da auch noch die übrigen 50%, hinter welchen sich sicherlich ebenfalls viele Jesus-Nachfolger verstecken. Ich ertappe mich selbst immer wieder, wie ich die eine oder Andere Abstimmung sausen lasse. Auf meine Meinung kommt`s ja nicht so darauf an. Ich bin mir sicher, dass es in unserem schönen Land viele gibt, welchen es gleich geht wie mir. Dabei ist dies doch gerade der grösste Fehler. Dieser Blogbeitrag soll die Möglichkeiten der Christen bei politischen Themen aufzeigen, soll zum Mitreden ermutigen.

Das Problem mit der Toleranz

Der Begriff Toleranz scheint ein breiter zu sein, wird dieser doch immer wieder falsch verstanden. Toleranz bedeutet unter anderem auch, dass wir unsere Mitmenschen, welche eine andere politische, religiöse und moralische Auffassung vertreten, achten. Dies heisst aber nicht, dass wir einfach schweigen und nichts machen sollen. Toleranz bedeutet nicht, dass wir uns zurücknehmen, nur um einer allfälligen Auseinandersetzung aus dem Wege zu gehen. Reiter (1989:139), scheint genau diese Problem bei politischen Angelegenheit zu beobachten. Erst die eigene Überzeugung soll dabei als Grundlage für kommende Auseinandersetzungen und zum Umgang mit anderen Meinungen dienen. Natürlich soll dies immer mit dem nötigen Respekt vollzogen werden. Es geht hier schliesslich nicht um eine Gleichgültigkeit gegenüber dem Wahren und Guten, sondern vielmehr um den Respekt gegenüber meinem Gesprächspartner und seiner Sicht der Wahrheit.

Christliche Stimmen sind genauso wichtig!

Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt die Wichtigkeit christlichen Verhaltens in der Gesellschaft deutlich auf. So steht z.B. am Ursprung der ersten allgemein zugänglichen Spitäler die selbstlose Barmherzigkeit und Nächstenliebe der Christen. Die Wissenschaften wurden durch das Anliegen der Bildung hervorgerufen, wobei dieser Wunsch ebenfalls aus dem Christentum entstand. Weiter legte das Christentum den Grundstein zu einer sozial verträglichen- und modernen Wirtschaft. Dazu gehören die Behandlung von Themen wie Heiligung der Arbeit, die Befreiung des Einzelnen zur ökumenischen Freiheit oder auch die Postulierung von Gerechtigkeit und Freiheit (Schmutz ). All dies zeigt auf, dass ohne christliche Stimmen und deren Verhalten einiges auf der Strecke geblieben wäre.

Und die Bibel…?

Ein Blick in die Bibel zeigt auf, dass die Unsicherheit der Christen in der Politik nicht unbegründet ist. Verglicht man Römer 13 mit Offenbarung 13, so sind erhebliche Widersprüche festzustellen (Schäppi ).

Jedermann ordne sich den Obrigkeiten unter, die über ihn gesetzt sind; denn es gibt keine Obrigkeit, die nicht von Gott wäre; die bestehenden Obrigkeiten aber sind von Gott eingesetzt. Wer sich also gegen die Obrigkeit auflehnt, der widersetzt sich der Ordnung Gottes; die sich aber widersetzen, ziehen sich selbst die Verurteilung zu (Röm 13,1-2). Römer 13 besagt, dass es keine Regierung gibt, welche nicht von Gott abstamme. Widersetzen wir uns der Regierung, lassen wir somit auch Gott links liegen (jesus.ch«Bibelstudium: Römer 13, 1-7»).

Und es wurde ihm gegeben, Krieg zu führen mit den Heiligen und sie zu überwinden; und es wurde ihm Vollmacht gegeben über jeden Volksstamm und jede Sprache und jede Nation (Offb 13,7). Mit dem ersten der in Offenbarung 13 beschriebenen Tiere wird vor allem das Thema Macht in Verbindung gebracht. Daraus entsteht eine Gewalt, welche über die ganze Welt herrscht. Zu dieser Gewalt gehört auch die Politische Macht (Setzer 2006).

Zwei Praktische Vergleiche

Besonders die Krux mit der Toleranz hat es mir angetan. So verbinde ich das Verhalten vieler Stimmbürger mit dem Fehlverhalten  bei der ersten Hilfe. Oberstes Gebot ist nicht, wie wir handeln, sondern dass wir etwas machen. Oftmals verweigern wir – wohl aus Angst, etwas Falsches zu machen – einer verletzten Person Hilfe zu leisten. Wenn wir ehrlich mit uns selber sind, verhalten wir uns doch auch in politischen Angelegenheiten oftmals nicht viel anders. Wir schauen Tatenlos zu, weil wir niemandem zu Last fallen wollen, sicherlich nicht in ein Konflikt verstrickt werden wollen.  Wie haben Angst etwas Falsches zu machen, jemanden zu enttäuschen. Passend dazu sehe ich auch die Bibelstelle in Römer 13. Sich der Regierung unterzuordnen heisst in meinem Verständnis nicht sich zurückzuhalten, nichts zu machen und darauf zu vertrauen, dass es unsere Regierung alles alleine im Griff hat. Begutachte ich Offenbarung 13, so kann ich soweit zustimmen, dass eine Regierung eine grosse Macht ausüben kann. Im Falle einer Diktatur mag dies sicherlich sein, dass viele Entscheidungen nicht gut sind, ja vielleicht Satan am Werke ist. In der Schweiz aber können wir uns Glücklich schätzen, werden unsere Stimmen und Meinungen ernst genommen.  Dementsprechend bin ich für die Regierung Dankbar, will mich darum in Zukunft an Römer 13 orientieren.

Der Blick in das vergangene Handeln der Christen zeigt auf, dass sie sich zum einen Politisch betätigten, zum anderen aber eben auch bei diesen Themen vorangingen, Licht und Salz waren. Dieses Handeln ist auch heute nach wie vor zu erwarten. Wie können wir Licht sein, wenn wir uns in unser Kammer verschanzen und nicht den Mut haben unsere Meinung, ja unsere Haltung mitzuteilen.

Literaturverzeichnis

Bibelstudium: Römer 13, 1-7. jesus.ch. Online im Internet: https://www.jesus.ch/themen/glaube/bibel/bibelstudium/roemerbrief/132819-bibelstudium_roemer_13_17.html%5B22.06.2021%5D.

John MacArthur Studienbibel.2009. 6. Aufl. Bielefeld: CLV Christliche Literatur-Verbreitung.

Reiter, Johannes 1989. Menschliche Würde und christliche Verantwortung: Be-denkliches zu Technik, Ethik, Politik. Kevelaer: Butzon & Bercker.

Schäppi, Peter. Bibel und Politik: Christen haben Verantwortung fürs Gemeinwesen. livenet.ch. Online im Internet: https://www.livenet.ch/magazin/politik/111962-bibel_und_politik_christen_haben_verantwortung_fuers_gemeinwesen.html%5B22.06.2021%5D.

Schmutz, Hanspeter. Fünf Missverständnisse. jesus.ch. Online im Internet: https://www.jesus.ch/magazin/gesellschaft/christen_in_der_gesellschaft/195754-fuenf_missverstaendnisse.html%5B18.06.2021%5D.

Setzer, Gerrid 2006 Genau lesen (13) – Die Zahl des Tieres. bibelstudium.de. Online im Internet: https://www.bibelstudium.de/articles/134/genau-lesen-13-die-zahl-des-tieres.html%5B22.06.2021%5D.

Trinität: Ist Gott ein Individuum oder ein Kollektiv?

Gibt es etwa neben Gott, dem Schöpfer, eine weitere Göttlichkeit und dürfen wir uns von diesem überhaupt ein Bildnis machen, ohne den biblischen Schriften zu widersprechen? Ist diese Frage nicht überflüssig, wenn das erste und wichtigste Gebot des Judentums und Christentums „Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ (2. Mose 20,1-3) bedacht wird? In diesem Blogbeitrag geht es nicht um weitere Götter, die neben dem einzigen und wahrhaftigen Gott existieren könnten. Viel mehr geht es um seine Erscheinungsform der Dreifaltigkeit (Vater, Sohn und Heiliger Geist) und dessen Wechselwirkung. In welchem Verhältnis stehen die einzelnen göttlichen Formen zueinander und welcher Rangordnung unterliegen diese?

Für die drei Erscheinungsformen wird der Begriff „Trinität“ verwendet, welcher von Tertullian entwickelt wurde (McGrath 2007:302). Diese Trinität wird zumeist mit dem Neuen Testament in Verbindung gebracht, dabei finden sich auch im Alten Testament einige Abschnitte einer Dreieinigkeit. Unter anderem im Hesekiel 14,12-20, in welchem Gott mehrfach von Noah, Daniel und Hiob und den Auswirkungen ihres kollektiven Handelns in der Trinität berichtet. Im Neuen Testament wird die Dreifaltigkeit durch den Sohn Jesus Christus ergänzt, um dem sündhaften Volk eine unverdiente Rechtfertigung zu ermöglichen. Die Trinität wird in ihrer Lehre unterschiedlich ausgelegt.

Die Lehren und Auslegungen der Trinität lassen sich in drei Lager unterteilen.

  1. Gott, der Vater, ist ein Individuum, welches durch Jesus und dem Heiligen Geist wirkt.

Diese Lehre, der Modalismus, unterliegt dem Gedanken, dass sich das Handeln und Wirken der drei Erscheinungsformen auf einen Gott reduzieren lässt. Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist sind der selbe Gott, selbst wenn sie sich in ihrer Erscheinung (optisch bzw. zeitlich) unterscheiden. Ein Verfechter dieser Lehre war Irenäus, welcher behauptete, dass der gesamte Heilsprozess, vom wahrhaftigen Anfang bis zum Ende der Geschichte auf einen einzigen Gott zu übertragen sei (:317). Der Kern dieser Lehre besteht darin, dass Gott der Lenker der Trinität ist. Jesus und der Heilige Geist sind somit keine eigenständigen Formen, sondern unterliegen der Handlung des Vaters. Sie gehen aus ihm hervor und wirken durch ihn. Daher lässt sich mutmaßen, dass sie nicht der gleichen Rangordnung des Vaters entsprechen, sondern diesem unterstehen. Somit unterliegen sie einer eindeutigen Konformität. Zuspruch findet diese Lehre in der Inkarnation Jesu und dessen Wirken auf Erden. Um „Mensch zu werden“ wurde Jesus in seiner Göttlichkeit und Allmacht begrenzt. Es zeigt sich ganz klar, dass Jesus die Wunder der biblischen Schrift lediglich durch seinen Vater vollbringen konnte und die erforderliche Unterstützung im Gebet gesucht hat. Die Abhängigkeit und Unterstellung des Heiligen Geistes gegenüber dem Vater ist nicht ersichtlich.

2. Drei individuelle Erscheinungsformen, die im Kollektiv handeln.

Das zweite „Lager“ verfolgt den Gedanken, dass die drei Erscheinungsformen (Vater, Sohn und Heiliger Geist) Individuen darstellen, welche gemeinsam nach dem göttlichen Plan wirken. Dieser Gedanke wurde bereits von dem „Vater“ der Trinität Tertullian verfolgt, welcher besagt, dass die Wesen der Trinität einzeln aber nicht unabhängig zu betrachten sind (:304). Es besteht somit eine gewisse Wechselwirkung in ihrem individuellen Handeln. Diese Lehre wurde durch die Appropriation sowie die Perichoresis aufgegriffen, indem sie anführten, dass die Trinität am gesamten göttlichen Wirken beteiligt ist. Nach Augustinus von Hippo sei in Genesis „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Die Erde war noch leer und öde, Dunkel bedeckte sie und wogendes Wasser, und über den Fluten schwebte Gottes Geist. Da sprach Gott: »Licht entstehe!«, und das Licht strahlte auf.“ (Genesis 1,1-3) eine Trinität zu erkennen. So wie es in der Erschaffung der Welt geschrieben steht, schuf Gott den Himmel und die Erde und vollendete die Dreieinigkeit durch das Licht. Selbstverständlich besteht die Möglichkeit die Lehre zu bekräftigen, indem angeführt wird, dass die Himmelfahrt dazu führte, dass die Trinität, insbesondere der Vater und der Sohn, einer gleichen Rangordnung unterliegt. Diese Rangordnung bildet aber nicht den Kern dieser Lehre. Viel mehr geht es um die Individualität und das kollektive Handeln. Dieses kollektive Handeln hat sich insbesondere zu Lebzeiten Jesu auf Erden gezeigt. Besonders für die Heilung haben der Vater und der Heilige Geist (die Energie) Jesu unterstützt. Die Stellung und Bedeutung des Heiligen Geistes für die Trinität wird im Johannes-Evangelium ersichtlich. „Aber es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn auch der Vater will solche Anbeter haben. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ (Johannes 4,23-24) Anhand diesen Versen ist zu erkennen, dass der Heilige Geist nicht eindeutig mit Gott einhergeht, sondern ein individuelles Wesen darstellt. Geist (Heiliger Geist) und Wahrheit (Jesus) stehen zwar in einer eindeutigen Wechselwirkung zur Trinität und handeln zumeist im kollektiv, sind aber Individuen.

3. Drei unabhängige, autonome Erscheinungsformen.

Der Tritheismus unterliegt der Überzeugung, dass der Vater, Sohn und Heiliger Geist drei unabhängige, selbstbestimmte Wesen sind, die in einer Göttlichkeit münden (McGrath 2007: 309). Die „Personen“ der Trinität können somit individuell handeln und wirken, vereinen sich am Ende jedoch in einem Gott. Die letztendliche Dreieinigkeit ist unabdingbar, da das Gesetz die Ausrichtung auf einen einzigen Gott vorgibt. Diese Lehre lässt sich nur mit dem Alten Testament in Verbindung bringen, in welchem Gott zumeist eigenständig gewirkt und gerichtet hat. Im Neuen Testament ist das Wechselspiel der Trinität zu groß, um dort autonome Handlungsfelder abzusehen. Die größte Schwäche dieser Lehre liegt in der Weisungsfreiheit der „Personen“ der Trinität, da sie insbesondere im Kollektiv Wunder vollbringen können/konnten. So wie der Vater durch Jesus die Menschen erreichen konnte und Jesus durch den Vater und den Heiligen Geist Totgeglaubte erwecken konnte.

Der Vergleich zeigt, dass die Kraft der Trinität im Kollektiv liegt. Gemeinsam haben sie eine deutlich größere Wirkkraft, als in einer autonomen Erscheinungsform. Nach meiner Einschätzung ist Gott kein Individuum. Möglicherweise war er es im Alten Testament, auch wenn die Stellung des Heiligen Geistes in diesen Schriften nicht ersichtlich ist. Im Neuen Testament findet sich eine große Wechselwirkung der einzelnen individuellen Wesen der Trinität. Somit schließe ich mich dem zweiten Lager und behaupte, dass der Vater, Sohn und der Heilige Geist zwar individuelle Erscheinungsformen darstellen, aber nicht autonom zu betrachten sind.

McGrath, Alister 2007. Der Weg der christlichen Theologie. Giessen: Brunnen.